Postcast mit Gail Tverberg zu Ölpreisen

Es gibt einen neuen Podcast mit Gail Tverberg bei PeakProsperty.com (Chris Martenson) bezüglich der Ölpreisdynamik und der zukünftigen Ölpreise, welcher sehr gut ihren aktuellen Blogeintrag ‘Why energy prices are ultimately headed lower; what the IMF missed‘ ergänzt. Hier auch gleich mal ein direkter Link auf die Youtube-Version:

Gail Tverberg: Why There's No Economically Sustainable Price For Oil Anymore

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Inhalt

Wer Gail Tverberg verfolgt, der wird nicht viel neues erfahren – das Podcast Format macht es aber vielen einfacher zuzuhören, als Ihre langen Essays bzw. Blogeinträge zu lesen.

Grundsätzlich sagt Sie, das hohe Ölpreise Rezession bedeuten. Durch die Rezession gibt es in Folge eine Nachfrageschrumpfung und der Ölpreis sinkt. Ist die Rezession zu ende steigen aber Kaufkraft bzw. Arbeitslöhne (bzw. die Anzahl der arbeitenden) danach nicht wieder entsprechend, so das immer mehr Menschen (u.a. bei dann wieder durch Mehrnachfrage steigenden Ölpreisen) als Nachfrager ausfallen bzw. Ihren Bedarf reduzieren.

The price of oil spikes and you get recession. Then the price of oil comes back down. But wages don’t recover and you get the very low price problem that we have right now. So it doesn’t work right. You can’t keep getting the same amount of oil out, essentially because the wages of the people don’t stay up high enough in order to afford the output of the economy.

Nach Tverberg ist dann irgendwann ein Punkt erreicht an kein Preis mehr funktioniert – entweder ist er zu niedrig für die Produzenten – oder zu hoch für den (durchschnittlichen) Konsumenten. (Anm.: Problematisch ist hier, das ein immer höherer Preis für die Ölförderung und Exploration benötigt wird – aber u.a. die Löhne in den entwickelten OECD-Staaten immer mehr unter Druck kommen – das ETP-Modell bzw. der Energiehaushalt weiter unten erklären diese Dinge auf Basis der Energieflüsse).

At this point, it has gotten bad enough that there is no price that works. The price that producers need is higher than what the market will bear.

Ein Beispiel ist z.B. Saudi-Arabien – viele Sagen ja, das dort noch Öl für 20$ oder weniger aus dem Boden kommt. Aber wenn man genau hinschaut, dann wird klar das Saudi Arabien einen viel höheren Ölpreis benötigt um über Steuern und Subventionen alles im Lande ruhig zu halten, Importe zu bezahlen, Wasser bereitzustellen, etc. pp. Also können Sie mit 20$ pro Barrel, aber auch 50$ mittelfristig kein stabiles Land mehr garantieren – und benötigen ebenfalls Preise jenseits der 100$ pro Barrel – wie auch viele andere Förderländer bzw. Firmen.

If we go to a place like Saudi Arabia, you’d say: They can get it out of the ground for $20 a barrel. But then when you look at it, you discover that they really need a much higher price if you include in all of the taxes and all of the funding they need to keep social order, import lots of wheat and the many other things that their economy needs, and build a desalination plant. So they really can’t get along on $20 a barrel. They learned how they can get along on $100 or $120 a barrel, but they can’t get along on $50 a barrel  — even in Saudi Arabia.

Und in dieser Situation befinden wir uns jetzt… was aktuell noch funktioniert, da die (meisten) Förderländer noch Devisenreserven haben, welche aber langsam abschmelzen bzw. im Falle von z.B. Venezuela schon längst aufgebraucht sind – und private Förderfirmen (BP, Shell, etc.) sich massiv verschulden (siehe auch hier). Was aber passiert wenn Saudi Arabien kollabiert? Dann fehlen dem Weltmark mal schnell 5-7 Millionen Barrel am Tag (Anm: Die Saudis exportieren ja nicht alles was Sie fördern, weil Sie immer mehr für sich selber brauchen -> Exportlandmodell).

Der Podcast enthält aber noch viel mehr, Energie und Wirtschaftswachstum, Perspektive von Erneuerbaren Energien, Komplexitätsproblematiken, etc. pp. – und ist wirklich hörenswert.

Fazit

Bild 2.: Energiehaushalt (Quelle: C. Martenson, Der Crash Kurs, Kapitel 17b)

Bild 2.: Energiehaushalt (Quelle: C. Martenson, Der Crash Kurs, Kapitel 17b)

Meiner Ansicht nach zeigt sich beim Ölpreisthema indirekt, das der Energiesektor immer mehr Energie benötigt um Energie bereitzustellen. Dadurch steht aber weniger Energie für den Konsum und damit das reale Wachstum zur Verfügung – womit unser Wirtschaftssystem ein Problem bekommt. Das ganze habe ich schon im Kontext Energiehaushalt im EROEI Beitrag mit dem nebenstehenden Bild aus Chris Martensons Crash Course erklärt. Hält der niedrige Ölpreis dauerhaft an, dann ist es für mich ein Zeichen das wird in der Phase eines immer schneller sinkenden EROEI angelangt sind (‘Energetische Klippe‘ – zumindest für Öl), welchen auch das ETP-Modell prognostiziert.

world-gdp-compared-to-energy-consumption

Welt-Energieverbrauch in Relation zum Welt-BIP (Quelle: Gail Tverberg)

Im Eingangs verlinkten Blog-Eintrag von Gail Tverberg ist denn auch eingangs die rechts stehende Grafik abgebildet, welche das Welt-BIP in Relation zum Welt-Energieverbrauch setzt und eine Korrelation von über 0.99 berechnet! Wer immer auch meint oder ein Rezept dafür hat das wir ‘grün‘ Wachsen können – also nachhaltig oder mit sinkendem Energieverbrauch – der sollte sich bei mir melden bzw. einen Kommentar hinterlassen. Sinkt aber die Energiebereitstellung und damit auch das BIP – dann bekommen wir viele Probleme mit unserem Finanz- und Wirtschaftssystem, da mit weniger Output auch weniger zukünftige Forderungen und Ansprüche (Zinsen, Forderungs- und Kreditrückzahlungen, etc.) bedient werden können und diese dann irgendwan komplett ausfallen oder abgeschrieben werden müss(t)en. Genau deswegen reden alle Ökonomen und Politiker ja unentwegt über das Wachstum – also ob es kein Morgen ohne dieses gibt.

 

 

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