LtG Wochenrückblick 2017-01-18

So, schon wieder ein Jahr weiter… 2017!… die Zeit rennt (für mich) und die Abbruchkanten die sich in der Welt zeigen werden größer. Brexit, Trump, Eurokrise – für mich sind das alles energetische Folgen. Das energiebereitstellende System verbraucht immer mehr – und gerade in den hoch entwickelten und viel Energie verbrauchenden OECD-Ländern macht sich dies eben schon lange bemerkbar und löst Druck auf die Strukturen (und Löhne bzw. Lohnentwicklungen) aus.

Gleichzeitig greift das Fettaugensyndrom – bei dem Vermögen weiteres Vermögen anzieht, also die Einkommens- und Vermögensungerechtigkeit (bzw. die Unterschiede) dramatisch zunehmen. So haben jetzt die 8 reichsten Männer nach Oxfam genau soviel Vermögen wie 50% der Weltbevölkerung.

Ganz toll fand ich in diesem Zusammenhang eine aktuelle Doku von Planet Wissen – Kapitalismus in der Krisehttp://www.planet-wissen.de/sendungen/sendung-kapitalismus-102.html – welche auf die Probleme des Kapitalismus (und die Frage was ist er überhaupt), die Produktivität, Ressourcen, etc. pp. eingeht. Auf der energetischen Seite leider etwas schwach – aber mit sehr starken Aussagen der Studio-Gästin Ulrike Hermann. Wirklich sehenswert!

Was gibt es sonst noch lesens- bzw. sehenswertes?

„I called it then, and I’m calling it now. Some time after January 2018, we are seeing the probability of a new crisis convergence in global energy, economic and food systems, similar to what occurred in 2008.“

Aber auch die anderen Segmente aus der Ahmeds Analyse will ich nicht vorenthalten:

„Today, we are all supposed to quietly believe that the economy is in recovery, when in fact it is merely transitioning through a fundamental global systemic phase-shift in which the unsustainability of prevailing industrial structures are being increasingly laid bare. The truth is that the cycles of protracted economic crisis are symptomatic of a deeper global systemic process.

„One way we can brace ourselves for the next crash is to recognize it for what it is: a symptom of global system failure, and therefore of the inevitable transition to a post-carbon, post-capitalist future. The future we are stepping into simply doesn’t work the way we are accustomed to.“

Wie ist das zu interpretieren? Ich denke ja in der Richtung des ETP-Modells. Wenn das wahr werden sollte, dann ist das Wachstum mangels nötiger Energie zu Ende – und damit fällt auch das globale Finanzsystem, das seit 2008/9 sowieso nur noch auf der Intensivstation notversorgt wird. Das ganze wird leider keine schöne utopistische Zukunft, sondern eher ein (hoffentlich schleichender) Systemzusammenbruch.

  • Das hier fand ich noch mal gut, aus Mitte 2016: Dr Alister Hamilton – Brexit, Oil and the World Economy: http://independencelive.net/event/925 und das Youtubevideo direkt: https://www.youtube.com/watch?v=vHRHQZ1dpik – Hamilton geht auf die energetische Frage und die Auswirkung auf die Wirtschaft ein. In der zweiten Hälfte dann noch mal ein Tiefgang in das ETP-Modell, was ich sehr spannend fand. Nichts großartiges neues – aber das er das öffentlich aufgreift finde ich schon gut!
  • Im Blog Surplus Energy Economics gabs einen guten Artikel: #85. Perfect Storm gets nearer: https://surplusenergyeconomics.wordpress.com/2017/01/09/85-perfect-storm-gets-nearer/ – Dieser Artikel schließt an ältere an und verdeutlichst noch einmal den Zusammenhang zwischen Energie und Wirtschaft. Dr. Tim Morgan hat einen anderen Ansatz den Anteil an Energie zu kalkulieren, den das energiebereitstellende System benötigt als das ETP-Modell – aber auch er sagt das dieser Betrag exponentiell steigt und daher unsere Probleme kommen, die mit Fortschritten bei der Effizienz immer weniger kompensiert werden können.
    • Wer es genauer wissen möchte, hier gibts es auch Daten (eine Tabelle) dazu.
    • Anmerkung: Alles in Linie mit dem was auch Ahmed und die HSBC Bank sieht.
  • Den Ökonom Heiner Flassbeck finde ich ja sehr, sehr gut – ein absoluter Klardenker der langsam auch die Energiethematik aufgreift: Energiewende am Ende?: http://www.theenergycollective.com/energy-post/2395990/the-end-of-the-energiewende – Der Artikel ist in Englisch, weil der deutsche hinter einer Paywall steht.
    • Flassbeck, als guter Ökonom, sieht (nun) auch, das EE-Strom (insb. PV/Wind) nie unseren Bedarf decken wird und macht dieses auch sehr anschaulich deutlich.
    • Er nutzt dazu die gleichen Energiemesswerte die ich in der rechten Navbar auch schon immer verlinkt habe. Das alles ist jetzt (zumindest für mich) nichts neues, nur leider treffe ich immer auf Unglauben, da mir wohl das „Dr.“ im Titel fehlt.
    • Fazit: Wenn im Winter der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint – und das faktisch über 6 Tage – dann ist es egal ob wir 10 mal mehr PV & Windanlagen haben, denn nichts mal 10 ist weiterhin nichts.

Schon heftig oder? Letztendlich zeigen alle Artikel das wir in den nahen und nächsten Jahren mit einer Eskalation der strukturellen Probleme rechnen können. Und 2018 ist „10 Jahre Später“ – also 10 Jahre nach der letzten Krise, welche nur mit massivster Verschuldung, globalen 0-Zinsen und mit Hilfe eines gigantischen Investitions- und Infrastrukturprogramms in China übertüncht werden konnte. Wer aber ist das nächste China?


Sehr empfehlenswert dann noch ein Vortrag zur Eurozone/Krise und dem aktuellen Status von Prof. Hans-Werner Sinn (Ex-IFO Chef) aus dem Dezember 2016: „Der Schwarze Juni. Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster – Wie die Neugründung Europas gelingt“

Egal wie man zu Sinn steht – in diesem Vortrag präsentiert er Fakten und auch Analysen die viele – insb. die regierenden und die EU-Politiker – ignorieren.


Alternativ und in Ergänzung auch gleich noch ein Vortrag von H. Flassbeck aus Mitte 2016 in dem die ähnlichen Aspekte auch diskutiert bez. Vorgestellt werden:

Flassbeck geht auch klar darauf ein was (in der EU) wirtschafts- und lohnpolitisch gemacht werden müsste & was passiert wenn dies nicht geschieht. Er wird mit diesen aussagen massiv deutlicher als er es z.B. in 2014 war.  Er gibt auch Einsicht in die Prozesse warum politisch (bisher) nichts passierte.


So, das war es auch erst mal mit dem Nachrichtenüberblick. Genießt den Sommer 2017!

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