Summer Academy des Club of Rome (Gastbeitrag)

Standard Run Szenario aus dem Buch “Limits to Growth” (1972), mit einer aktualisierten Grafik von Charles Hall und John Day aus “Revisiting Limits to Growth After Peak Oil”

Ich veröffentliche hier einen Gastbeitrag von Michael, der an der Summer Academy des CoR 2017 teilgenommen hat.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Ressourcen und Nachhaltigkeit. Über viele Umwege habe ich erkannt, dass Energie dabei eine Schlüsselrolle darstellt. Jeder der sich mit den Problemen rund um diese Thematik beschäftigt wird nicht um den Club of Rome und dessen Modell herumkommen. Da in meinem sozialen Umfeld die Anzahl derer, welche ebenfalls sich mit der Materie auseinandersetzen, verschwindend gering ist empfand ich die erstmalig stattfindende Summer Academy des CoR als gute Gelegenheit mich mit gleichgesinnten Menschen auszutauschen.

Angekommen in Florenz wurden wir von Prof. Bardi und Graeme Maxton (Generalsekretär des CoR) empfangen. Bei den Teilnehmern dieser Veranstaltung handelt es sich aus Menschen aller Couleur jedoch für einen überwiegenden Anteil der Teilnehmer waren die Reporte des Clubs Neuland.  Auch muss erwähnt werden, dass die Mitglieder des CoR selber in zwei Lager gespalten sind.Ein Lager rund um Prof. Bardi verweist auf das Problem, dass wir weit von jeder Nachhaltigkeit entfernt sind und eine schmerzliche Anpassung des Systems bevorsteht. Ein zweites Lager versucht jedoch Lösungen bzw. Verbesserungsvorschläge zu präsentieren welche teils Konträr zu den Aussagen des ersten Lagers sind. Zwischen diesen zwei Lagern herrscht eine große Diskrepanz was man in den Vorlesungen der verschiedenen Mitglieder des CoR zu spüren bekommt. Auch sind viele Vortragende nicht selbst Mitglied des CoR was zu einer gewissen Diskrepanz mit den Aussagen des CoR geführt hat. Einprägend war die Situation, nach einem sehr hoffnungsvollen Vortrag von Dr. Mathis Wackernagel vom Global Footprint Network, als Prof. Jorgen Randers Herrn Wackernagel persönlich angriff und dessen Präsentation als kompletten Unfug bezeichnete. Zum Vortrag von Jorgen Randers empfehle ich den Artikel auf Prof. Bardis Blog.

Äußerst interessant war auch ein von der EU finanziertes Computermodell, welches ähnlich dem vom Club of Rome ist. Wir durften in Gruppen dieses Computermodell mit Zukunftsprognosen bis 2050 füttern (Bevölkerungswachstum, Wachstum erneuerbarer Energien, Abfall in der Ölförderung…). Das Ergebnis war fast schon erschreckend. Nicht einmal die optimistische der 3 Gruppen konnte ein tragbares Ergebnis erzielen. Es braucht zwar noch ungefähr 2 Jahre bis das Computermodell fertig ist und die Ergebnisse veröffentlicht werden aber der Vorgeschmack war nicht sehr aufbauend (hier mehr dazu).

Die Vorträge des CoR waren vor allem an jene Teilnehmer gerichtet, welche sich noch nicht wirklich mit der Materie befasst hatten. Großartig war aber die Möglichkeit in persönlichen Gesprächen über komplexe Themen mit Menschen zu reden, welche das selbe Interesse teilen.

In verschieden Workshops mussten wir nach Lösungen für verschiedene Probleme suchen. Als Beispiel möchte ich das Fishbank Game von Meadows nennen, in welchem wir in verschieden Gruppen einen fiktiven Hafen befischen. Ziel des Spiels ist es aufzuzeigen wie schwierig eine nachhaltige Befischung mit verschieden Parteien ist. Obwohl wir eine große Gruppe von nachhaltigkeitsliebender Leuten waren, gestaltete es sich äußerst schwierig gemeinsam eine Lösung für die Befischung zu finden. Es war fast schon traurig zu erkennen, dass es in Wirklichkeit eine Sache der Unmöglichkeit ist einen globalen Konsens in wichtigen Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcennutzung zu finden.

Den letzten Workshops blieb ich fern, weil es vor allem um eine Lösungsfindung ging und ich persönlich nicht mit einer Lösung rechne. Zumindest ist mir noch keine plausible zu Ohren gekommen. Außerdem hat uns Prof. Bardi sehr anschaulich anhand des Modells des CoR erklärt, dass jede Lösung die Gefahr birgt die Fallhöhe zu vergrößern. Wenn der Club of Rome seit 1972 keine Lösung gefunden hat, dann mach ich mir persönlich keine Hoffnung in der kurzen Zeit welche wir noch haben (laut Modell) eine zu finden.

Fazit der Veranstaltung: Wir folgen sehr gut dem Standardmodell des Club of Rome und der Point of No-Return wurde schon überschritten. Hätte man 1972 drastische Schritte unternommen dann hätte man noch das Schlimmste verhindern können.

PS.: Der Club of Rome hat sich sehr Mühe gegeben mit der Summer Academy wobei Wein und Kultur auch nicht zu kurz gekommen sind.

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Ein Kommentar zu Summer Academy des Club of Rome (Gastbeitrag)

  1. Maxima Virilem sagt:

    Falls Interesse besteht, hier ein Link zu den Präsentationsfolien der verschieden Vortragenden: https://www.dropbox.com/sh/nkfmwty0som4m0e/AAC0KwKsHOm10WwB5z7edfXla?dl=0

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