Bundesregierung hält an Elektroauto-Ziel (1 Million) fest….

Politische Richtgröße… Foto: Pixabay

Meldet heise.de und schreibt, das:

“Die Bundesregierung hält das eigene Ziel als ‘politische Richtgröße’ aber weiter für gültig”

was es meiner Ansicht nach gut zusammenfasst. Der ganze Hype um E-Kfz ist denn (nicht nur) meiner Ansicht nach ein politisch und Ideologie motivierter Hype. Abgas-Normen, Flottenverbräuche, CO2-Zertifikate, politische Vorgaben in EU, USA und insb. China machen das E-Kfz über direkte und indirekte Subventionen bzw. Strafaktionen für Verbrenner (indirekt) für die Hersteller attraktiv – falls es nicht schon eher eine Art Zwang ist. Die Kfz-Hersteller müssen diese Dinger produzieren und dann irgendwie an den Kunden bringen. Der private Kunde ist jedoch nicht doof – und weis das das was er da (aktuell) bekommt nicht attraktiv ist – die Physik und aktuelle Technologie setzt eben klare Grenzen. Deswegen werden die E-Fahrzeuge auch meist dort eingesetzt (gekauft) wo sie der Fahrer nicht bezahlen muss (sondern der Steuerzahler…). Ausnahmen sind z.B. der E-Scooter bei der Post – hier sind die Einsätze jedoch sehr gut planbar, die Fahrzeuge laufen nur im Nahbereich und 6 Tage die Woche. Das Nutzungsprofil der Post ist jedoch nicht mit dem eines privaten Kfz-Halters vergleichbar. Klar, man könnte auch ein E-Kfz bauen das extrem klein, leicht, etc. pp. ist – nur wer will das kaufen? Der Erfolg beim Twizy & Co. hält sich eben in Grenzen – zu günstig sind die (gebrauchten) fossilen Alternativen.

Und ja: fossile Mobilität ist nicht gut. Jedoch bringt es nichts nur den Antrieb auszutauschen und dann anzunehmen alles sei gut. Denn auch der Strom kommt nicht aus dem nichts – und das Kfz selber manifestiert sich auch nicht einfach so. Im Kfz selber stecken sehr viele Ressourcen und sehr viel Energie. -> das ist der große Brocken, welcher massivst von fossilen Energieträgern abhängt und bestimmt wird. Das Betriebsmittel ‘Strom’ bzw. ‘Benzin’ stellt nur einen Bruchteil der energetischen Kosten da, zu denen auch Strassen, Verwaltung, Polizei, Krankenhäuser (Unfälle), Werstätten, Verschrottung & Recycling, etc. pp. gehören. Ein bereits produziertes Kfz vor dem wirklichen Funktions- bzw. Lebensende zu verschrotten – ja, das ist der größte Umweltfrevel!

Klimaschutz?

Wenn ein E-Kfz aus Sicht der Ressourcen-Effizienz (etwas oder deutlich) besser wäre – dann würden auch seine Gestehungskosten, zumindest jedoch seine Betriebskosten inkl. Kilometerleistung X, niedriger sein (als von einem vergleichbaren Fossil-Kfz).

Letztendlich kann man argumentieren, das der Preis (wenn er unter einem hartem Wettbewerb steht) ein Ausdruck für die im Produkt steckende (Gesamt-)Energie ist. Da ein E-Kfz (deutlich) teurer als ein vergleichbarer Verbrenner ist, steckt in Ihm auch mehr (initialer) energetischer Aufwand. Die Hoffnung kann dann nur sein, das bevor die Batterie Ihren Geist aufgibt so viele Kilometer gefahren wurden – das ein Break-Even in Bezug auf den Verbrenner und die nötige Ölproduktion (bzw. Förderung) für den Treibstoff erreicht wird. Aber auch das ist zweifelhaft – und offenbart einen weiteren Irrsinn: Nur wenn die zurückgelegten Kilometer pro Kfz noch gesteigert werden ist das E-Kfz ggf. effizienter (aber dann nicht mehr effektiv). Ob das Modell Car-Sharing oder ggf. irgend wann einmal das vollautomatischen Fahren das ganze besser macht? Ich zweifele stark daran, denn gerade beim vollautomatischem Fahren muss noch mehr Technik in das Kfz eingebaut werden – und es gibt dann auch viele Leerfahrten. All das wird meines Erachtens nicht günstiger sein als ein Bus oder die Bahn – ergo mehr Ressourcenverbrauch pro Personenkilometer – oder selbst im Bestfall nicht viel weniger als jetzt.

Und woher kommt der Strom? Genau: Oft aus Kohle und AKW. Und das das bisschen PV und Wind gerade dann die Energie liefert wenn die Leute Ihr E-Kfz tanken wollen… das ist eine Milchmädchenrechnung. Von den fehlenden Stromnetzen und der Lade-Infrastruktur möchte ich hier gar nicht sprechen… das sind dann auch noch einmal gigantische energetische und ressourcentechnische Aufwände um dies alles zu realisieren, wenn es mal ‘nur’ für 20-40% des Verkehrs funktionieren soll. Das ganze hilft am Ende nur dem (weiteren) Wachstum – nicht jedoch dem Klima. Aktuell gehen genau diese Problematiken noch alle unter… erst wenn die Stromer mehr als 2, 3 oder 5% der gesamten Fahrzeugflotte stellen wird es wirklich Kostenintensiv.

Die Ladeproblematik….

Im aktuellen c’t Magazin ist dann auch ein Beitrag über den Stand bei der Ladeinfrastruktur – die Situation scheint mehr als Fragmentiert und fragwürdig. Ein sehr interessanter Aspekt, neben dem das primär Ladesäulen mit geringer Leistung (22KW) ausgebaut werden: Ein Ladevorgang dauert (sehr) lange und bringt der Anbieter im Vergleich zu einer klassischen Tankstelle nur einen geringen Umsatz. Wo klassisches Tanken inkl. Bezahlen wenige Minuten dauern und meist einen Umsatz >20€ liefern ist es beim E-Laden umgekehrt: Der Umsatz (und potentielle Gewinn) ist bescheiden.

Wenn hier jedoch irgendwann mit Gewinn gearbeitet werden muss um Installation, Stellplatz, Wartung und Technik zu finanzieren (also Förderungen, Querfinanzierung & Co. auslaufen) – dann dürften die Kosten pro KW/h deutlich(st) über 30 Cent pro KW/h steigen – also für den eigenen E-Strom! Und dabei sind ja nicht mal die Mineralölsteuer & Co. auf die KW/h E-Strom aufgeschlagen die die ganze Verkehrsinfrastruktur & Co. (quer-)finanzieren. Ganz im Gegenteil: Die E-Fahrzeuge sind steuerfrei und noch stark subventioniert – und das ist kein langfristiges Modell für die Zukunft. Es zeigt mir nur das E-Mobilität insgesamt eine dramatisch teurere Mobilität bedeutet – wenn die wirklichen Kosten umgelegt werden.

Ein weiteres Problem: Nach dem Laden werden die Fahrzeuge nicht unmittelbar abgeholt und die Lade- auch als Stellplätze ‘missbraucht’. Nur Tesla arbeitet hier heute schon mit ‘Straf-‘ Gebühren von 35 Cent/Min. Aktuell ist all dies meist noch kein Thema – genau wie die nicht einheitliche (und teils in-transparente) Preisgestaltung der verschiedensten Anbieter. So sind denn heute schon die Ladekosten an nicht subventionierten oder Quer-Finanzierten öffentlichen E-Zapfsäulen öft höher als der Preis für Benzin (Anm.: Verbräuche auf KM ungerechnet). Alleine das zeigt zumindest mir, wie verquer (oder absurd) die ganze E-Mobilität schon jetzt ist: Nichts wird günstiger – was für mich nur bedeutet: Unterm Strich mehr Ressourcen und Energieverbrauch.

Mehrwert?

Da die E-Kfz in der Anschaffung durch die Bank teurer sind als Verbrenner und weniger leisten (u.a. weniger Reichweite, langsameres Laden/Tanken, faktisch keine Anhängelast, weniger Reichweite im Winter, etc. pp.) macht das alles für sehr viele Szenarien keinen Sinn – speziell nicht als Ersatz für ein privat betriebenes Fossil-Kfz im derzeitigen Nutzungsmodell (das fast jeder ein Kfz hat, das ca. 23h vor der Haustür oder sonstwo steht). Denn Produkte, die sich auf dem Markt durchsetzten vergrößern (in der Regel) den Möglichkeitsraum. Ein E-Kfz reduziert den Möglichkeitsraum indessen. Auch ist es für viele Menschen nicht erschwinglich – und wird es selbst als 10-20 Jahre altes Kfz nicht mehr sein, weil dann der Akku schwach oder (fast) defekt sein dürfte – ein sehr großes wirtschaftliches Risiko. Ich habe ja schon einiges darüber im Blog geschrieben. Mit langer Nutzungsdauer & Co. hat das alles nichts zu tun, den im Akku steckt in der Regel die meiste Produktionsenergie die im E-Kfz versenkt ist.

Das ganze erinnert mich an die Glühlampe. Heute wird viel LED & Co. verkauft – nur sind diese Teile schwer zu entsorgen und dort steckt ordentlich viel Elektronik drin. Ob am Ende – inklusive der Entsorgung bzw. dem Recycling – effektiv Energie und Ressourcen gespart sowie die Umwelt geschützt werden bezweifeln einige. Das die LED-Lampen in der Regel gesundheitsschädliche Auswirkungen haben, wissen dann auch wieder die wenigsten – aber aktuell kurbelt ja auch das die Wirtschaft an und mehr Kranke sind auch gut für das BIP-Wachstum im Gesundheitsbereich… ein Wahn- bzw. Irrsinn, wenn man darüber mal nachdenken mag.

Wichtig scheint (der Politik & Wirtschaft) auch hier immer wieder eines zu sein: Neue Produkte, mehr Wachstum, mehr Umsatz. Mit Ökologisch & Co. hat das alles am Ende nicht viel zu tun – denn das geht effektiv nur über eine Begrenzung bzw. Reduktion des effektiven Konsums. Das ist jedoch kein Thema – und eigentlich will eine Diskussion um ‘weniger’ auch keiner führen. ‘Anders’ -> ja, aber ‘weniger’? …

Politik

Entwicklung von Welt-BIP und Primärenergieverbrauch. Quelle: Gail Tverberg

Anstatt auf ein De-Growth zu setzten, eine neue Genügsamkeit, weniger Konsum möchte die Politik weiteres Wachstum. Das geht jedoch überein mit mehr Energieverbrauch – und hat nix mit gut für Klima & Co. zu tun (siehe auch nebenstehende Grafik). Ein E-Kfz will nur weniger effizient das ganze Modell des Fossil-Kfz in einer Post-Fossile Gesellschaft katapultieren – und verkennt dabei, das auch dort die Energie irgendwo her kommen muss.

Der Versuch, das ganze dann mit einer Förderung (Subvention) der E-Mobilität und Verteuerung der fossilen Mobilität zu pushen – wird auch nicht fruchten. Es grenzt nur die Konsumenten am unteren Ende aus – verkleinert meiner Meinung nach also den Markt und stört die Verwertungskette in Bezug auf Gebrauchtwagen. Zudem kann ein ‘Konsument’ einen Euro nur einmal ausgeben – was in das Kfz fließt, das fehlt woanders beim Konsum.

Aber träumen ist ja schön – und das ganze geht umso einfacher, umso mehr man die Physik ignoriert, verdrängt oder gar nicht erst kapiert…. Wer mir nicht glaubt, der schau sich den Vortrag von Vaclav Smil an, den ich im Vorbeitrag verlinkt hatte… Als Abschluss dann noch ein Video von Nico Paech zu dem allem was ich hier kurz ‘an’-thematisiert habe – inkl. einiger ‘wirklicher’ Lösungsansätze.

Prof. Dr. Niko Paech auf dem Schönauer Stromseminar 2017 Teil 1

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Zum Video gibt es auch noch einen zweiten Teil. Und wer mir immer noch nicht glauben mag, der dem empfehle ich auch diesen Artikel hier (‘Einige Fakten zu Energiewende und Klimaschutz’).

Mein Fazit?

Die Automobilindustrie investiert gerade in eine politisch gesteuerte (bzw. gewollte) Entwicklung die jedoch der Physik, der Marktwirtschaft (Nachfrage) und dem Kundenwunsch (größerer Möglichkeitsraum) widerspricht. Ob dann ein künstlich subventioniertes Produkt über politische Quoten, Regeln und Subventionen am Ende dann doch noch so viele Kunden erreicht, das es sich für die Hersteller lohnt – das ist die für mich offene Frage.

Am Ende könnte jedoch eins passieren: Der Kfz-Markt wird deutlich kleiner, weil die Kosten für das Kfz und den Betrieb dramatisch steigen. Das grenzt dann viele jetzige Kunden aus -> der Markt schrumpft -> viele Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie kollabieren -> die Entlassen dann viele Menschen -> und das wäre dann (doppelt) positiv für das Klima, weil dann auch die frei werdenden Menschen nicht mehr zur Arbeit fahren (müssen), kein großen Einkommen mehr haben und deutlich weniger konsumieren (können).

Aber ob das die aktuelle Zielvorstellung ist – also wie das Klima zu schützen wäre? Ich glaube eher nicht… Naja, Politik hat ja nicht unbedingt etwas mit physikalischer Realität und Kausalität zu tun… da ist auch viel Ego, Macht, Wunsch, Realitätsverdrängung und Ideologie mit im Spiel…

Klar ist jedoch eines für mich: Das aktuelle Modell der Mobilität ist nicht Zukunftsfest. So müssen wir nicht den Antrieb im Kfz austauschen und alles andere gleich bleiben lassen – sondern unser komplettes Modell der Mobilität überdenken, wie es auch Niko Paech im Video thematisiert.

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