Von Kollaps, Abbruchkanten und nächster Wirtschaftskrise…

Ausblick. Quelle: Pixabay

Dieser Beitrag soll ggf. etwas Licht in die Frage bringen wie lange das ‘Business as Usual’ (BAU) noch weitergehen kann bzw. wie ich die Entwicklungen in der Zukunft – sowie mögliche Zeitfenster – bis zu einem ‘Kollaps’ sehe. Er ist durchaus als kleine Fortsetzung zu meinem Komplexitäts-Blogpost zu sehen, welcher ja nichts über die zeitliche Dimension aussagte.

Vorab: Ich sehe die nächste (zyklische) Finanzkrise bis spätestens ca. 2020/1 kommen. Die letzte war 2008/9 – und alleine nach der Zyklentheorie bzw. den natürlich auftretenden Zyklen von ‘Boom & Bust’ kann die nächst nicht mehr weit entfernt sein. Die Energiepreise steigen bereits wieder & die Wirtschaft brummt angeblich. China wird seine Rolle als globaler Nachschuldner und seine Konsumexpansion auch keine 10 Jahre mehr in dem Maßstab der letzten 10 Jahre fortführen können. Zumindest würde mich dies sehr überraschen.

Dann sehe ich die Zeit ab spätestens 2030 als sehr ungewiss an. Ich denke bis dahin haben uns auch die Probleme bei der Energiebereitstellung eingeholt. In Verbindung mit einem (wackeligem) Finanzsystem und Problemen in anderen Sektoren baut sich da einiges an Problemdimensionen auf, welche viele (selbst-verstärkende) Abhängigkeiten und Rückkopplungseffekte aufweisen… mehr dazu im folgenden Text…

Motivation…

Die persönlichen Recherchen, welche in mein Buchprojekt und dieses Blog mündeten, starteten anfangs aus Interesse – später suchte ich dann nach Lösungen und (persönlichen) Auswegen in Bezug auf die ‘Limits of Growth’. Warum? Weil fast alle Daten, Studien, Vorhersagen, etc. pp. den finalen Niedergang unserer globalen Industriegesellschaft innerhalb meiner statistischen Lebensspanne nahelegten…

Mit dem ‘finalen Niedergang’ meine ich dabei ein Ereignis, das zur Folge hat das es für die nächsten 50, 100 oder mehr Jahre nur eine große Richtung gibt: Nach unten. Dieses Ereignis nennen einige ‘Kollaps’ – das bedeutet, das die materielle Basis für die Existenz und Ernährung von aktuell über 7,5 Milliarden Menschen mehr oder minder schnell erodieren wird… mit allen Folgen…

Welche Abbruchkanten meine ich?

Abbruchkanten… Quelle: Pixabay

Ich sehe aktuell in sehr vielen Bereichen ‘Abbruchkanten’, also eine nicht-fortsetzbarkeit der aktuellen Entwicklungen – insb. unter dem Aspekt eines weiteren (langfristigen) Wachstums unter Anbetracht einer (immer noch) ständig wachsenden Weltbevölkerung, welche zudem einen höheres (materielles) Wohlstandsniveau anstrebt.

Hier einige der Abbruchkanten in einer sehr vereinfachten Darstellung:

  • Energie (u.a. Öl)
    • Die Welt funktioniert auf Basis der fossilen Energieträger – also über mehrere hundert Millionen Jahre gespeichertes Sonnenlicht (Biomasse), hauptsächlich in Form von Kohle, Öl und Gas.
    • So genannte ‘erneuerbare Energieträger’ sind komplett abhängig von der aktuellen, durch fossile abgetriebenen, industriellen Zivilisation [8].
    • Die Nachfrage nach Energie steigt – jedoch ist absehbar, das der Aufwand zur Förderung der fossilen Energieträger immer größer wird. Die Ölförderung ist hier als erstes betroffen.
    • Beim Öl erwarte ich in den 20er Jahren eine Dramatisierung der Lage, welche erst zu höheren Preisen und dann in Folge zu einer Wirtschaftskrise führen wird – in Folge derer noch weniger in die Sicherung der zukünftigen Ölforderung investiert werden wird [10].
  • Finanzsystem
    • Die systemischen Gründe 2008/9’er ‘Krise’ (u.a. Verschuldungsniveau und Steigerung der anteiligen Kosten für Energie) wurden nie gelöst bzw. beseitigt – nur verschoben und werden uns bei der nächsten Krise einholen.
      • Zinsen können nicht mehr gesenkt werden.
      • Preise von Assets werden (real) nicht weiter inflationiert werden können – so das sogar der gefühlte ‘Papier’-Wohlstand sinken wird (und damit die Sicherheiten für Kredite schwinden -> Krisen-Verstärkung).
    • Das System braucht also unbedingt Wachstum – selbst eine statische Ökonomie würde zum Kollaps führen, da zukünftige Verbindlichkeiten dann nicht mehr bedient werden können.
    • Aktuell hat sich das System auf Finanz- (Asset-) Spekulationen umorientiert um (Schein-) Renditen zu erwirtschaften. Dies ist jedoch nicht nachhaltig.
  • Globale Wirtschaft und Versorgungsketten
    • Sehr viel Länder haben sich von globalen Markt & Lieferketten – auch für die notwendigsten Güter (u.a. Nahrung, Stahl, Basis-Industrien & Produkte) – abhängig gemacht. Lokale Industrien und Know-How existieren (zum Teil) nicht mehr.
    • Viele grundlegende Industriegüter und (Ersatz-) Teile sind das Produkt aus einer Kette von sehr vielen Produktionsorten in sehr vielen Ländern…
    • In einer wirklich (globalen) Wirtschaftskrise besteht das Risiko das diese Zulieferer- und Handelsketten kollabieren bzw. unzuverlässig werden [7].
    • Wichtig: Schon ein fehlendes Ersatzteil kann eine Industrieanlage, ein Kraftwerk und/oder Stromnetz lahmlegen.
  • Demografie
    • Die weltweite Population wächst immer weiter: 1970 ca. 4 Milliarden, 2000 ca. 6 Milliarden und aktuell über 7,5 Milliarden Menschen.
    • Alle diese Menschen streben ein höheres (materielles) Wohlstandsniveau an. Dies bedeutet das mehr Energie, mehr Ressourcen, mehr Nahrung & Co. nachgefragt (und benötigt) werden.
    • Umwelt- und Wohlstandsmigration werden zusätzlich Druck (bzw. Stress) auf die (noch) reichen Länder und (die Reste) derer Sozialsysteme ausüben – je mehr die Krisenschaukel zuschlägt.
  • Umwelt
    • Die heutige Population der Menschheit übernutzt bereits die natürlichen Ressourcen und (regenerativen) Kapazitäten des Planeten deutlich.
    • Bereits mit einer Milliarde Menschen wurden (vor Nutzung der fossilen Energieträger) regelmäßig landwirtschaftliche Flächen und Wälder übernutzt – was zu Krisen führte.
    • Insbesondere die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser für Mensch, Industrie und Landwirtschaft wird zunehmend ein Problem.
    • Die globalen Fischbestände befinden sich auf dem Wege in den Total-Kollaps (siehe u.a. mein Buchprojekt).
    • Durch Pestizide, Kunstlicht und Mikrowellen (EMV) werden Insekten und insb. Bienen & Bestäuber negativ beeinflusst.
  • Ernährung
    • Nur durch Nutzung der fossilen Energieträger konnten wir die Schwelle von 1 Milliarden Menschen deutlich überwinden (-> Mechanische Landwirtschaft, Haber-Bosch Verfahren).
    • Einher gingen mit dem Ausbau der Landwirtschaft eine Übernutzung von Fluss & Grundwasser, etc. pp (-> Ogallala Aquifier, Nil, etc.)
    • Ein weiteres Problem der Flächen-Übernutzung sind sinkende Nährstoffgehalte in Lebensmitteln, Versalzung von Ackerflächen, Humus-Verlust, etc.
    • Zudem ist die Ernährungsbasis in sehr vielen Ländern stark abhängig vom globalen Markt und Importen – kein gutes Rezept für eine Krisenresilenz [5][7].
  • Klima
    • Ob Mensch gemacht oder nicht – das Klima war schon immer starken Schwankungen unterworfen. Die aktuellen Trends (+ Situation in der Arktis) verheißen da nichts gutes.
    • Ein globaler Klima- und Umweltschutz (CO2, Methan, Toxine, Abfälle, etc. pp) ist faktisch nur durch eine Verminderung des Verbrauchs bzw. industriellen Outputs herbeiführbar.
      • Dieses würde jedoch einen Kollaps des auf Kredit vorfinanzierten Wirtschaftssystems – und damit unserer aktuellen Lebensbasis – bedeuten.
    • In Zukunft werden die Folgen (und Kosten) des Klimawandels die Systeme immer mehr belasten und das globale System zusätzlich stressen.
    • Die Situation am Nordpol ist bereits dramatisch – zwischen 2025 und 2030 könnte hier das letzte Eis verschwinden, was starke Auswirkungen auf Methanhydrate in Nordpolarmeer und den Golfstrom hätte.
  • Grube Mir-Loch. Quelle: Pixabay

    Ressourcen (Metalle, Rohstoffe, Holz, etc. pp.)

    • Auch hier wird es immer knapper – immer mehr (energetischer) Aufwand für immer weniger Ertrag. Dies ist ein globaler und un-umkehrbarer Trend.
    • Bisher konnten mehr und bessere Technik und mehr Energieeinsatz die negativen Effekte überkompensieren – die Technik ist jedoch immer mehr ausgereizt (Grenznutzen -> Tainter) und die Energieverfügbarkeit (u.a. Öl) wird immer mehr zum Problem.
      • Dies, da die Ressourcenverfügbarkeit & deren ‘Preis’ direkt an die Verfügbarkeit von günstigen Energieträgern gekoppelt ist.
  • Militär / Kriege / Kulturen
    • Zusätzliche Risiken beim Eintreten von Knappheiten sind Kriege und militärische Auseinandersetzungen, welche Infrastrukturen zerstören und begrenzte Ressourcen sinnvollen Anwendungen vorenthalten.
    • Zunehmend inhomogene Kulturen (u.a. Europa -> Migration) werden instabiler, der soziale Zusammenhalt sinkt -> was nicht gut für die Bewältigung von Krisen ist.

Das waren jetzt nur einige der Faktoren… bzw. die, welche mir Ad-Hoc eingefallen sind. Wichtig ist für mich hier, das alle diese Faktoren miteinander in Beziehung stehen, das alle diese Faktoren kritischer werden und sich so in Bezug auf die Auslösung bzw. Verstärkung eines Kollaps-Szenarios auswirken.

Die Wissenschaft zum Kollaps – und der ggf. verbleibenden Zeit…

Das vorgenanntes nicht einfach ein Hirngespinst meinerseits ist mag ich in diesem Abschnitt gerne belegen. Meine aktuelle Sicht der Dinge kommt ja nicht aus dem Nichts oder einer ‘höheren’ Eingebung. Sie ist hingegen aus verfügbarer Literatur, Präsentationen, Studien und Aussagen anderer zusammengefügt und über die Jahre gewachsen.

In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf die Podcasts von Conversation Earth hinweisen, in denen sehr viele Forscher, Autoren, Aktivisten aus verschiedensten Bereichen (Umwelt, Klima, Wirtschaft, Energie, etc.) interviewt werden. Der Podcast und die Qualität der Interviews + Interviewten sticht wirklich heraus.

Nun jedoch zu verschiedenen Studien und Beiträgen, welche ich in letzter Zeit recht interessant fand und welche meine Punkte: a) das ein Kollaps (in meiner statistischen Lebensspanne) kaum abzuwenden sein wird und er b) vor 2035 und definitiv vor 2050 eintreten wird – unterstützen.

Prof. Ugo Bardi (Cassandras Legacy, Buch: Ressource Crisis, CoR Italien)

Ein Gastautor hatte hier von der Summer-Academy des Club of Rome in Italien (2017) berichtet. Auch Ugo Bardi hatte einige Artikel dazu in seinem Blog [8], wobei er in einem Kommentar sich auch zum neuen Modell des CoR (verbessertes LtG World3 Modell) geäußert hatte:

“Saturday we were presented a new, much improved model of the world resources, society and economy, developed as part of a European framework program. It is much more detailed than the original one, but the basic results are quite similar, and equally gloomy than those of 45 years ago: in the “business as usual” scenario the global economy will still be able to grow for a few years, slowing down until, in 15-20 years, it will begin to collapse very quickly, leaving little behind.

Was dann auch gut mit dem originalen LtG Modell harmonieren würde, wobei dieses jedoch noch nicht die selbst-verstärkenden Probleme eines Kollapses des Finanzsystems berücksichtigte – was das neue wohl macht.

Apocalypse Soon: Has Civilization Passed the Environmental Point of No Return?

Diese Studie [1] aus 2012 beschäftigt sich mit dem Umweltaspekten und gubt zu bedenken, das bereits heute die Erzeugung von Nahrung pro Mensch sinkt. Dabei wird Jorgen Randers folgend zitiert:

“Food per capita is going down, energy is becoming more scarce, groundwater is being depleted.”

Ein Problem nach der Studie: Die ‘externalisierten Kosten’ der Zerstörung der Umwelt und Übernutzung von Ressourcen stecken nicht in den Preisen der (Konsum-)Güter, weswegen hier u.a. ‘natürliche’ Steuerungsmechanismen versagen. Gerade der kurzfristige Fokus des Kapitalismus (aber auch der Regierungen) mache es quasi unmöglich hier zu handeln. Zitat:

“… asserting that the short-term focus of capitalism and of extant democratic systems makes it impossible not only for markets but also for most governments to deal effectively with long-term problems such as climate change.”

Zum Ende wird auch D. Meadows, der Leiter der ursprünglichen LtG Studie folgend zitiert:

We’re in for a period of sustained chaos whose magnitude we are unable to foresee

Modeling inequality and use of resources in the collapse or sustainability of societies

Diese Studie [3], auf die ich weniger eingehe, hat einen wichtigen Punkt, wobei der Autor jedoch vermeidet hier konkreter zu werden – also mal grob abzuschätzen wie viele Menschen die Erde ‘nachhaltig’ wirklich tragen kann. Der Autor formuliert wie andere ‘vorsichtig optimistisch’ – wobei die Aussage des Satzes eher stark pessimistisch ist:

“Collapse can be avoided, and population can reach a steady state at maximum carrying capacity if the rate of depletion of nature is reduced to a sustainable level and if resources are distributed equitably.”

Was letztendlich bedeutet: Erst wenn die Weltbevölkerung so weit reduziert ist, das die natürlichen Ressourcen nicht übernutzt werden – dann kann der Kollaps verhindert werden. Viele Forscher gehen hier von <500 Millionen Menschen aus, einige auch nur von 50 Millionen – wie Jack Alpert, wenn das heutige Wohlstandsniveau angenommen wird [11]. Und selbst letzteres nur mit Einschränkungen…

Political instability may be a contributor in the coming decade

Turchin, Author von ‘Secular Cycles’, beleuchtet die demographisch-politisch-gesellschaftliche Seite in Bezug auf Zyklenforschungen [2]. Auch diese Dinge können positiv bzw. negativ verstärkend zusammenwirken. Aktuell scheinen uns auch von dieser Seite eher negative Einflüsse bevor zu stehen:

“Quantitative historical analysis reveals that complex human societies are affected by recurrent — and predictable — waves of political instability (P. Turchin and S. A. Nefedov Secular Cycles Princeton Univ. Press; 2009). In the United States, we have stagnating or declining real wages, a growing gap between rich and poor, overproduction of young graduates with advanced degrees, and exploding public debt. These seemingly disparate social indicators are actually related to each other dynamically. They all experienced turning points during the 1970s. Historically, such developments have served as leading indicators of looming political instability.”

So sind auch die vielen jungen Menschen in den Entwicklungs- bzw. Krisen gebeutelten Ländern des mittleren Ostens eine gesellschaftliche Zeitbombe – da oft schon heute ohne Perspektive und spätestens beim Eintritt von harten Krisen.

Turchin merkt jedoch auch an, das wir wohl auch an der generellen Schwelle zu einem weiteren (nachhaltigem) Wirtschaftsabschwung stehen:

“We are also entering a dip in the so-called Kondratiev wave, which traces 40-60-year economic-growth cycles. This could mean that future recessions will be severe.”

Zwar ist Turchins Artikel in Nature von 2010 – die Zyklenforschung ist jedoch in längeren Zeitabschnitten zu sehen – und ich sehe das was Turchin damals beschrieben hat deutlich in der Entwicklung.

Are we entering the age of involuntary degrowth?

Innovationszyklen und DMR (Dimishing Marginal Retuns). Quelle: [4]

Ein sehr interessanter Artikel [4] im ‘Journal of Cleaner Production’ von 2017. Der Author schaut auf Zyklen, Tainter, Komplexität die Revolution die uns die Informations- und Kommunikations Technologien (ICT) gebracht haben und die verschiedenen Stufen der industriellen Revolution (IR1-3).Der Autor sieht genau das, was ich in meinem letzten Artikel über Komplexität beschrieben hatte und was auch die Kernthese von Tainter ist:

“Diminishing Marginal Returns as explanation of the decline of complex societies.”

So sinkt nach dem Autor auch der Ertrag (‘Returns’) in Bezug auf neue Innovationen. Er geht sogar soweit das er es schon als Phase des ungewollten Negativwachstums bezeichnet, welches bereits Effekte auf den institutionellen Rahmen hat. Sollten sich die Trends der zurückgehenden Erträge verfestigen, dann kann dadurch das Gesamtsystem destabilisieren und kollabieren:

“While a phase of recession is normally followed by one of recovery, a prolonged DMR phase usually leads to the system’s collapse or to its reorganisation according to new rules.”

Es gibt zwar Autoren wie Riffkin die über eine ‘(nahezu) Null-Grenzkosten-Gesellschaft’ reden – diese wird es jedoch im physischen Sektor (u.a. Essen, Ressourcen, Energie) nie geben können – einzig im digitalen Bereich scheint dies in etwas möglich. Letzterer ist jedoch für unser physisches Überleben und unsere Existenz nicht essentiell – und basiert selber wieder auf einem sehr hohen Technologie-Level und den Einsatz von Ressourcen und Energie für die Infrastruktur. So hat (nach dem Author) gerade die ICT-Revolution keinen neuen großen Schritt nach vorne gebracht (‘Promethean technology’), sondern sie verschiebt nur den Einsatz von Zeit und / oder substituiert bekanntes – auch im B2B Bereich. Zitat: “In the end, it all tends to be a zero-sum game (Gordon, 2000a)”.

Der Autor sieht jedoch auch in anderen Sektoren einen Eintritt in die DMR-Phase, was letztendlich den Fortbestand der aktuellen Institutionen und Organe – und damit die existierende systemische Ordnung gefährdet:

“This conclusion, moreover, thus appears to be consistent with evidence from research in other fields, i.e. energy (Hall et al., 2008), mineral resources (Bardi, 2014), agriculture (Coelli and Prasada Rao, 2005), health, education and scienti fic research, (Tainter, 2006; Strumsky et al., 2010), demonstrating that advanced capitalist societies (the U.S., Europe and Japan) have entered a phase of declining marginal returns or involuntary degrowth in many key sectors (Bonaiuti, 2014), with possible major detrimental effects on the system’s capacity to maintain its present institutional framework.

Can a collapse of global civilization be avoided?

Dieser Text von Paul Ehrlich [5], dem Autor von ‘Population Bomb’ aus den 1970’ern, kommt zu dem Schluss, das es zwar möglich sein den Kollapse zu vermeiden – die reale Chance dazu jedoch sehr, sehr klein sei:

“Humanity has the assets to get the job done, but the odds of avoiding collapse seem small because the risks are clearly not obvious to most people and the classic signs of impending collapse, especially diminishing returns to complexity [], are everywhere.

Kritisch sieht Ehrlich wohl auch die Versorgung mit Lebensmitteln. Er schreibt bereits in der Einleitung: “How likely is such a collapse to occur? No civilization can avoid collapse if it fails to feed its population.”. Am Ende kommt er zum Schluss, das ein zentrales psychologisches Hindernis ‘jetzt’ zu handeln darauf basiert das die Kosten (bzw. der Verzicht auf Wohlstand) im hier und heute geschieht – damit unbekannte in der Zukunft davon profitieren.

One central psychological barrier to taking dramatic action is the distribution of costs and benefits through time: the costs up front, the benefits accruing largely to unknown people in the future.”

Letztendlich ist dies auch politisch schwer zu verkaufen und widerspricht dem kurzfristigen Shareholder-Value Gedanken vieler Börsennotierter Unternehmen.

Is Global Collapse Imminent? An Updated Comparison of The Limits to Growth..

LTG Modell von 1970 (BAU) verglichen mit den realen Entwicklungen bis 2008

LTG Modell von 1970 (BAU) verglichen mit den realen Entwicklungen bis 2008. Quelle;: [6]

.. ‘with historical Data’ von Turner [6] schaut wie die Realität der letzten ca. 40 Jahre mit den Projektionen des LtG World3 BAU Modells übereinstimmen – also wenn nicht gehandelt wird.

Ein wichtig Aspekt: Auch Technologie-Verbesserungen (Fördertechniken, Ressourcen-Extraktion, etc.) folgern keine Lösung unserer Problematik, sondern Sie verlängern nur den Status Quo um dann in einen noch stärkeren Kollaps zu münden:

“Tainter’s proposition of diminishing returns from growing complexity relates to the increasing inefficiency of extracting depleting resources in the World3 response. It also aligns with a more general observation in the LTG that successive attempts to solve the sustainability challenges in the World3 model, which lead to the comprehensive technology scenario, result in even more substantial collapse.

Kollaps später aber heftiger - mit dem Techno-Fix Szenario

Kollaps später aber heftiger – mit dem Techno-Fix Szenario. Quelle: [6]

Turner sieht selbst für das Technologie-Szenario dann ab 2030 die Abbruchkante für das aktuelle System:

“However, collapse is not avoided but simply delayed by one to two decades (Figure 4), and when it occurs the speed of decline is even greater. Easier to obtain resources permit economic growth to be re-kindled following a relatively minor hiatus at about 2015. Subsequently, the draw-down of non-renewable resources continues apace, and reaches such a low level that the industrial system cannot be supported and output drops rapidly at about 2030. As a result, population grows a little higher than the BAU, but falls from about 2035 at a faster rate and to a lower level. “

Ein wichtiger Aspekt ist hier u.a., das dass ursprüngliche LtG Modell die Dynamiken aus dem Finanzsystem nicht modelliert hatte (und somit nicht einbezog):

Such financial dynamics were not incorporated in the LTG modelling”

Deswegen wird wohl auch das neue Modell des CoR entwickelt, was schon weiter oben bei Bardi erwähnt wurde – übrigens zum Teil mit EU-Geldern! Wird es durch den Einbezug des Finanzsystems besser? Ich meine auf keinen Fall – denn (starke) Probleme im (globalem) Finanzsystem können meiner Ansicht nach die Dynamiken, welche zu einem Kollaps führen, nur verschärfen.

End of Ponzi Economics

Dieser horenswerte Podcast mit Jerry Mander [11] aus der Interview-Reihe bei ConversationEarth dreht sich um eine Analyse in Bezug auf Energie und Wirtschaft. Herr Mander sieht die Globalisierung bereits auf dem Rückzug – u.a. wegen den Energiekosten. Er sieht auch das aktuelle Finanz- & Wirtschaftssystem in jedem Falle kollabieren, da es auf (unendlichem) Wachstum in einer finiten Welt gebaut ist (min. 15:20) – und schließt sich damit vorhergehend vorgestellten Studien an:

“We are all living in a system that is doomed to fail”. (min. 16).

Warum? Weil wir auf einem endlichen Planeten leben – weswegen er vom heutigen Stand aus eine reale wirtschaftliche Erholung bzw. Expansion nicht mehr sieht:

“A permanent recovery implies a permanent expanding system – and you can’t have that on a finite planet”

Zwar kann es kleine Phasen der wirtschaftlichen Belebung geben – diese währen jedoch nur kurzfristig (“I think we can have short run recoveries from time to time”). Er sieht – wie ich – auch keine Möglichkeit mit EE den aktuellen Status-Quo fortzusetzen:

“If you took all the alternative energy system now beeing discussed, and consider them in terms of their net-energy gain […] none of them is capable producing energy on a scale that fossil fuels did that feed the gigant explosive activities of the 1960er”

Insofern wird das ende der fossilen Energieträger bzw. eine Förderung deutlich unterhalb dem aktuellem Level an Nachfrage das Wachstum und damit auch unsere aktuell Wirtschaftsordnung und die Globalisierung kollabieren lassen:

There is no way to preserve the existing system with the demise of fossil fuels“… “beyond for another couple of decades“. (min. 19:30)

So ist denn auch die offene und bisher unbeantwortete Frage nach Mander ist wie das System (nach dem Ende der fossilen Energieträger) aussehen soll, was uns mit den wichtigste Dingen zum Leben versorgt… Ich selber denke das es da etwas geben wird – jedoch für deutlich unter 1 Milliarde Menschen.

Trade-Off – Financial System Supply-Chain Cross-Contagion

Diese sehr bekannte Studie von Korowicz dreht sich um die Risiken des Finanzsystem in Kombination mit den globalen Just-In-Time Lieferketten, wobei wohl aktuell fast nirgends entsprechendes Risiko-Management betrieben wird:

“However, the argument in this following report is that we are facing growing real-time, severe, civilisation transforming risks without any risk management.”

Korowicz schließt seine Analyse damit, das die Freiheit zu handeln durch ein ‘Lock-In’ begrenzt ist, da teils kleine Änderungen an einem Sub-System der Wirtschaft weitreichende und unvorhergesehene Folgen haben kann. Er schlägt vor ein Risiko-Management zu installieren und sich auf Probleme vorzubereiten:

We are locked into an unimaginably complex predicament and a system of dependency whose future seems at growing risk. To avoid catastrophe we must prepare for failure.”

Leider vergisst Korowicz ggf. dabei, das Risikomanagement und Redundanz bzw. Vorbereitung alles komplexe (und kostenträchtige) Aufwände sind, welche die Effizienz in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit (bzw. Gewinne) reduzieren. Das ist heutzutage meist keine Option mehr für die Marktteilnehmer im internationalen Verdrängungswettbewerb um Kosten & Co. Tainters Kernthese schlägt eben überall zu…

Korowicz endet damit, das in Bezug auf einen (persönlichen) Schutz gegen diese Art von Risiko (-> dem Kollaps unserer globalen Wirtschaft und Lieferketten) weder die örtliche Lage oder (finanzieller) Reichtum hilft:

Finally, neither wealth nor geography is a protection. Our evolved co-dependencies mean that we are all in this together.”

The End of More – Norman Padgett

Zum Schluss möchte ich noch kurz zwei Aspekte aus einem Artikel von Norman Padgett, dem Autor des Buches ‘The End of More’ (Anm.: Link auf Buchkritik in diesem Blog), aufgreifen [13]. Padgett schreibt:

“It has been suggested that Saudi might become an oil importer by 2030, though exactly where the imported oil will come from, or how it might be paid for, is not clear”

Dies bezieht sich u.a. auf das Export-Land-Modell (ELM) und zeigt auf, das wenn Saudi-Arabien (als größter Öl-Exporteur der Welt neben Russland) weiter wie bisher wachsen sollte, es kein Öl mehr in Jahre 2030 exportieren könnte. Weiterhin schreibt Padgett:

“At the current rate of growth of around 8% a year, by 2035 China will (in theory) be using the same volume of oil currently consumed in the world now. “

Natürlich wird auch das nicht stattfinden – es bedeutet jedoch auch, das Chinas Wachstum irgendwann zwischen heute und der nahen Zukunft sich verlangsamen bzw. stoppen wird. Auch die E-Mobilität wird dieses nicht ändern, da der Strom entweder aus Kohle oder Uran gewonnen werden muss – und damit andere Probleme und Limits erzeugt. Solar & Wind? Auch diese brauchen eine fossile Infrastruktur und haben einen hohen Einsatz an (Primär-)Energie & Ressourcen.

Dafür das sich zwischen heute und 2030/35 einiges ändern wird spricht vieles. Und noch mehr spricht dafür das die Probleme nicht erst einsetzten werden, wenn bestimmte Limits erreicht sind – sondern schon vorher, wenn der ‘Druck’ höher wird.

Zusammenfassung & Ausblick

Das originale LtG Model (Standard Run)

Vor 4 Jahren, mit dem niederschreiben meiner Gedanken in meinem Buchprojekt, kam ich zu ähnlichen Schlüssen wie die Menschen und Forscher aus den oben zitierten Studien, Artikeln und Berichten. Kern und Angelpunkt des ganzen Dilemmas ist jedoch für mich das (ungebremste) Populations-Wachstum – ein Thema das fast gar nicht diskutiert wird und Tabu erscheint.

Mehr Population, welche mehr (materiellen) Wohlstand anstrebt, mehr (ver-)braucht, mehr Fläche (Habitat) nutzt, auf immer mehr (fossile) Energieträger angewiesen ist und mehr Ressourcen (Holz, Metalle, Natur, etc. pp) konsumiert – das geht nicht gut. Denn auf einem endlichen Planeten sind da irgendwo Grenzen… und diese sind schon lange, zumindest in Bezug auf eine ‘Nachhaltigkeit’ (sustainability), überschritten.

So kommt das Ablaufdatum für das globale Wirtschaftssystem, das uns unter anderem auch alle mit Nahrung versorgt, immer näher. Diesmal geht es jedoch nicht um eine einzelne (lokale) Kultur die irgendwo langsam untergeht und verschwindet – dieses mal geht es um die gesamte Menschheit. Warum? Weil wir inzwischen sehr starke Verflechtungen und globale Abhängigkeiten bei Energie, Ressourcen und Nahrungsversorgungen aufgebaut haben. Ein hoher Status (Level) an Komplexität, Wohlstand und Interdependenzen – hat ein ebenso hohes Potential bei einem Kollaps sehr viel mit sich zu reißen. Dies, da die Strukturen nicht mehr so resilent und unabhängig wie vor 100 oder 200 Jahren sind & lokal ‘weiter wurschteln’ können (-> u.a.  im Aspekt der Nahrungsversorgung). Auch steht in der Phase des Niedergangs nicht mehr die Energie und nicht mehr die Ressourcen bereit um Infrastrukturen umzubauen und ggf. zu lokalisieren. Kaum einer denkt daran, das nur ein fehlendes Ersatzteil einen Traktor, Mähdrescher oder eine Fabrik lahmlegen kann – und diese oft hochspezialisierten Teile können (schon lange) nicht mehr vom Dorfschmied irgendwie ‘hingedengelt’ werden.

Letzteres (Anm.: Resilenz & Lokalisierung) schaffen meiner Ansicht nach nur Systeme und Kulturen die noch nicht ‘unser Niveau’ erreicht haben. Dies sind dann Systeme (oder Länder), welche weniger auf externe Lieferungen angewiesen sind, noch Alternative und einfache bzw. Parallel-Systeme haben und in eine halbwegs heile (Außen-) Welt eingebettet sind. Ein gutes Beispiel ist (bzw. war) z.B. Kuba nach dem Embargo oder die Sowjetunion nach dem Kollaps des Ostblockes in den 1990ern. Das was vor uns steht hat jedoch noch einmal eine ganz andere Qualität – da es dieses mal alle betrifft.

Insofern sehe ich die Daten ‘spätestens’ 2020/21 für die nächste zyklische Kriese und den Zeitraum von 2030/35 für den finalen Abstieg – als einen sehr feststehenden Referenzrahmen in meinem Zukunftsbild an. Jede Erhöhung der Komplexität zur Problemvermeidung (u.a. ‘Techno-Fixes’ wie die CO2 Speicherung) wird dieses Datum nur nach vorne verlegen. Wie schnell es dann ‘bergab’ geht – ein Dahinwurschteln im Abstieg oder ein Seneca-Cliff, das ist jedoch offen. Viel spricht aus meiner Sicht für ein Seneca-Cliff nach Bardi. Insofern schließe ich mich auch D. Meadows Einschätzung an, das solange sich die Natur des Menschen nicht ändert:

“Da ist nichts, was wir tun könnten”

Etwas, was er in einem Interview mit der österreichischen Zeitung Format  in 2012 abschließend geäußert hatte. Der Planet wird sich selber retten & uns bleibt letztendlich nur die individuell gegebene Zeit für unsere wirklichen Passionen zu nutzen.

Verfasst im Mai &  Juni 2018.


Quellen / Links

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