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Bild1. Standard Run Szenario aus dem Buch „Limits to Growth“ (1972), mit einer aktualisierten Grafik von Charles Hall und John Day aus „Revisiting Limits to Growth After Peak Oil“

Im Jahre 1972 wurde die Limits to Growth Studie von Donella und Dennis Meadows veröffentlicht (hier frei online zu lesen), welche Wachstumsgrenzen und Risiken – aber auch Wege aufzeigte sehr negative Auswirkungen für die Erde (Ökosysteme) und unsere Zivilisation zu vermeiden.

D. Meadows beschreibt den Kernbeitrag der Studie als: „Our contribution was to show that population and industrial growth are inherently exponential; and that exponential growth takes one to any existing limit quickly, whatever its magnitude.

Leider wurde faktisch nicht gehandelt um die exponentiellen Entwicklungen abzudämpfen –  wird befinden uns so auf dem Pfad der Vorhersagen zum Standard Run Szenario (Quelle:  Graham Turner aus 2014) – siehe auch Bild 1. Der ‚Standard Run‘ beutet in diesem Fall – es wird nicht gehandelt, alles läuft weiter wie gewohnt -> Business as Usual (BAU). Leider führ diese Entwicklung zu Problemen die mit großer Wahrscheinlichkeit im Zeitraum zwischen 2020 und 2040 eintreten können.

Handlungsoptionen?

Wird weiter nicht gehandelt sagt das (alte) Modell (von 1972) einen Kollaps unserer modernen Zivilisation in den nächsten Dekaden voraus. Auf einen genauen Zeitraum haben sich Meadows & Co. nie festgelegt, auch wenn die Kurven und die Achsenbeschriftung in den Diagrammen (siehe Bild 1) das ggf. implizieren und von manchen fäschlicherweise exakt gedeutet werden. So ist anzumerken, das das originale Diagramm nur die Zahlen 1900 und 2100 kennt – auf einen genauen Zeitraum hatte sich das Forscherteam nie festgelegt, denn es ging primär um die Systemdynamik! Zudem sagt D. Meadows auch, das wenn das erste Limit erreicht ist, das dann eine ganz neue Systemdynamik eintritt – also die Modelle dann nicht mehr gelten.

Wir sind also am oder kurz vor dem Limit – nun stellt sich immer noch die alte die Frage: Was kann sinnvoll gemacht werden & welche Handlungsoptionen existieren (noch)? Wie kann die anstehende globale Krise ggf. besser bewältigt werden?

Um handeln zu können ist es zudem wichtig erst einmal zu verstehen wo wir in den verschiedenen Bereichen überhaupt stehen. Da das ganze Thema interdisziplinär ist – ist es oft schwer den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. In diesem Blog möchte ich deswegen viele aktuelle Themen betrachten und  Daten sammeln die helfen die Gesamtthematik besser zu verstehen – aber insbesondere auch kritisch vermeintliche Lösungen betrachten die sich auf dem zweiten Blick ggf. als Irrwege entpuppen könnten.

Die Themenbreite umfasst u.a.:

  • Energie (Öl, Gas, Kohle und die EE’s wie PV, Wind, etc.)
  • Geld, insb. Kredit
  • Wirtschaft
  • Klimawandel
  • Ressourcen
  • Landwirtschaft und Nahrung
  • Bevölkerungswachstum
  • Umweltverschmutzung
  • Gesellschaft
  • etc.

Paul Chefurka hat in seinem kurzem Essay A 50,000-Foot View of the Global Crisis (oder hier als PDF) die Thematik noch weiter aufgeschlüsselt – inklusive der Vergangenheit, der Gegenwart und der wohl zukünftigen Richtung (wenn weiter BAU passiert). Er schreibt das die Thematik ist insgesamt so komplex das keiner das Gesamtsystem und die Rückwirkungen verstehen kann – dennoch sind viele Entwicklungen und Trends absehbar.

Vom Auf- und Abstieg

Was ist das Kernproblem? Diese Frage ist komplex – einige Sagen, das Kernproblem ist unsere moderne Zivilisation, angefangen mit dem Ackerbau (Phase 0).  Wenn wir nicht ganz so weit zurückgehen, dann kam der nächste Schub (Phase 1) mit dem Anbeginn der Industrialisierung – und der Nutzung der fossilen Energieträger. Denn bis zu diesem Punkt waren wir ja noch eine solare Weltwirtschaft.

  • Phase 1. (Aufstieg) – in der die Energieträger einfach zu heben sind und einen hervorragenden und ansteigenden ERoEI (Energy Return on Energy Invested) haben: Holz -> Kohle -> Öl -> zum Teil Gas, welche unserer industriellen Zivilisation eine gigantische wirtschaftliche und technische Expansion (und auch ein Populationswachstum) beschert haben.

Angekommen auf dem Zenit (so ungefähr jetzt) wird es dann schwierig. Dies ist der Beginn der:

  • Phase 2. (Abstieg) – wo dann die guten und einfachen Vorkommen weg bzw. verbraucht sind und immer mehr mit immer schlechteren Energieträgern substituiert wird (Tiefsee-Öl, Fracking, schwefelhaltige (Braun-)Kohle, etc.) -> der (systemische Gesamt-) ERoEI sinkt. Zudem wird versucht mit immer komplexeren Systemen energieeffizienter (leider meist aber nicht effektiver) zu werden, da der Kostenfaktor Energie größer wird  – oder wie vorgenannt zu substituieren.

Letztendlich gibt es auf dem Wege des energetischen Abstieges aber kaum ein Entrinnen – die einzige Möglichkeit ist Phase 1 zu verlängern (z.B. Energie aus Kernfusion). Natürlich gibt es nicht nur das Energielimit (sonder u.a. auch Wasser, fruchtbarer Booden, Klima, etc.). Letztendlich stellt sich die Frage wie und ob insgesamt der Fußabdruck in allen Bereich reduziert werden kann, ohne das uns unsere Zivilisation bei der Umstellung um die Ohren fliegt.

Die Auswirkungen sind schon da…

Weil wir am Limit kratzen bzw. dieses überschritten haben findet in den ‚erwachsenen‘ Volkswirtschaften (OECD) kaum noch Wachstum bzw. schon Negativwachstum statt und es gibt stagnierende bzw. sinkende (reale) Einkommen. Der Kuchen wird kleiner und auch die Vermögenskonzentration aufgrund unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems größer. Immer mehr Energie muss aufgewandt werden um den energetischen und den Nachschub der Ressourcen zu sichern – und steht nicht mehr dem Konsum bzw. dem Wachstum zur Verfügung.

Zudem holen uns in der zweiten Phase die ‚Jugendsünden‘ ein: Umweltverschmutzung, Klimawandel, verarmte Böden, abgepumptes Grundwasser, zerstöre Ökosphäre (u.a. Regenwälder) – was nun zusätzliche Kosten (bzw. materielle und energetische Aufwände) bedeutet. Ein Teufelskreis.

Grüne Wirtschaft & erneuerbare Energien zur Rettung?

Auch eine ‚grüne Wirtschaft‚ ist keine (finale) Lösung – weil diese im aktuellen Entwurf auch wachsen will, nur eben ‚weniger schlecht‚. So sind letztendlich auch Photovoltaik (PV), Windenergie und Biogas keine Lösung um unser aktuelles System (Phase 1) aufrechtzuerhalten und fortzuführen – ganz im Gegenteil, diese beschleunigen noch das frühere Ende. Das warum wird in Zukunft noch in dazugehörigen Artikel diskutiert.

In Kürze: Die Erntefaktoren (ERoEI) sind entweder schlecht (PV) oder die Energie steht nicht dann zur Verfügung wann sie benötigt wird (PV & Wind), also muss eine zweite (redundante) Infrastruktur aufgebaut werden (Gaskraftwerke oder Speicher). Das alles kostet zum Aufbau und Betrieb sehr viel Ressourcen (Material) und (fossile) Energie – mal ganz abgesehen von massiven Verwerfungen im Strom-Markt mit Phasen von Überangeboten und negativen Preisen wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst – und Perioden wo die konventionellen Kraftwerke im Dauerlauf sind – selbst die NYT berichtet darüber.  Der Gesamt-ERoEI bzw. die Gesamt-Effektivität der Energiebereitstellung sinkt (u.a. durch die redundante Struktur bzw. die Speicher die zusätzlich nötig sind) und ist dann bald zu niedrig um unsere komplexe Gesellschaft weiter aufrechtzuerhalten (für BAU wird ein minimal benötigter Gesamt-ERoEI von  >10 angenommen). Im Vergleich dazu bescheren uns Öl (noch! -> ETP-Modell), Gas und insb. Kohle einen sehr hohen Gesamt-EROEI der aktuell erst die heutige System-Komplexität und damit auch die Produktion (und den energetischen Zuschuss zu) der meisten EE (u.a. mit Ausnahme von Wasserkraft) ermöglicht.

Zum Autor

Ich selber beschäftige mich mit diesen Themen schon seit über 10 Jahren, angefangen mit dem Themenkomplex Energie, gefolgt ab Ende 2008 von den Themenfeldern Geld & Kredit und ab 2009/10 von dem Rest und in 2014 insb. dem Thema Klimawandel. Meinen Stand bis Anfang 2014 habe ich – in weiten Bereichen – hier zusammengefasst.