Volkswagen ‘Together’ Strategie: 2-3 Millionen BEV in 2025 plausibel?

Vorab: Ich hatte im letzten Artikel ja gerade über Tesla und Ihre GigaFactory geschrieben – und deswegen sind mir Nachfolgende Aussagen der VW Pressekonferenz aufgefallen.

Letzte Woche präsentierte Volkswagen seine neue Konzernstrategie ‘Together’ mit Fokus auf das Jahr 2025 in Wolfsburg in der Autostadt. Hier die Pressemitteilung inklusive Video (ca. 1h): http://www.volkswagenag.com/content/vwcorp/info_center/de/news/2016/06/2025.html. Hier das Video vom VW Youtube-Kanal:

Pressekonferenz Volkswagen Konzern: „TOGETHER – Strategie 2025"
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In der Präsentation vom Vorstandsvorsitzenden Herrn Müller fand sich auch die Aussage das bis 2025 ca. 20-25% der Konzernfahrzeuge BEV’s (Battery Electric Vehicles – also 100% E-Fahrzeuge) sein sollen. Aus der verlinkten Pressemittelung:

“Für den eigenen BEV-Absatz im Jahr 2025 prognostiziert der Volkswagen Konzern ein Volumen von zwei bis drei Millionen Einheiten, entsprechend einem Anteil von rund 20 bis 25 Prozent am dann erwarteten Gesamtabsatz.”

Das währen dann ein Konzernabsatz von 10-12 Millionen Kfz in 2025 (also weiteres Wachstum – zumindest aber Stagnation des Absatzes der VW AG).

Reality-Check

Mal Preise, Ökonomie, Kundeninteresse, Technologiereife, Akzeptanz, die Wünsche der Bundesregierung und ganz viele andere Fragen der Industrialisierung und Massenfertigung bei Seite. Um die Batterieproduktionskapazität dafür zu schaffen müsste VW ca. 5 Stück „Tesla Gigafactories“ (produzieren je ca. Akkus für ca. 500.000 BEV) bis 2025 finanzieren und (ggf. durch Zulieferer) aufbauen (lassen) um die nötigen Batterien zu produzieren. Dazu kämen dann auch noch die Rohstoffketten, insb. für Lithium und aktuell u.a. auch Kobalt.

Zum Vergleich: Tesla selber hat Probleme mit seiner GigaFactory (siehe auch meinen Artikel zur Gigafactory), wo im Mai 2014 Baubeginn war und welche im Herbst dieses Jahr mit ca. 14% der geplanten Kapazität erste Batterien produzieren soll.

Nun stellt sich die Frage: Kann Volkswagen selber (oder über Partner) ca. 4-5 GigaFactories innerhalb gut 9 Jahren (also bis 2025) – alleine für seinen Eigenbedarf – aufbauen und voll in Betrieb nehmen?, die dazu nötigen Rohstoffe sichern? hier insbesondere Krisengebietfreies (Kongo) Kobalt? und das Risiko eingehen mit Minenbetreibern konkrete zukünftig Abnahmeverpflichtungen zu vereinbaren – ohne zu wissen ob die Kunden die geplanten BEV’s auf kaufen? und das in einem globalen Fahrzeugmarkt, wo Mitbewerber ggf. das gleiche Ziel haben (Anm.: Soweit Sie es für Marktwirtschaftlich sinnvoll einschätzen)?

Technologisch müsste man dann (wenn man sofort los legt) ja grob die aktuell verfügbare Zellchemie benutzen – zumindest für die ersten Batteriewerke. Also stehen dann auch bereits die Rahmen für Kosten, Gewicht- & Energiedichte (z.B. NMC 622 bzw. 811).

Fazit

Ich halte diese Aussage bezüglich der 2-3 Millionen BEV für nicht plausibel. Vor allem – wie passt das mit den neuen Geschäftsmodellen wie Roboter-Taxis und voll automatisch fahrenden Fahrzeugen zusammen – wo nicht mehr jeder ein eigenes Fahrzeug benötigt? Müssten wir da nicht global eher ein Rückgang der Produktion haben? Oder läuft das dann noch unter Erstausstattung? Was ist mit zunehmenden Ressourcen- und insbesondere (Netto-)Energieengpässen? Geht alles so weiter wie bisher…. nur eben mit einer (auch) nicht gerade umweltfreundlichen Batterie und Strom aus Kohle? Viele offene Fragen – zumindest für mich.

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