Klimawandel ein Problem? Nicht für die Erde… maximal für den Menschen

Klimazeugs ein Problem? Ich denke nicht mehr… weil da nichts mehr ist was wir gegen eine krasse Veränderung tun könnten. Quelle: Pixabay

Ich habe gerade wieder einen tollen Nature Bats Last Podcast (NBL) gehört. Diesmal mit dem US-Meterologen Nick Humphrey, wobei Host Guy McPherson und Kevin Hester die Verbindung zwischen Klima, Wetter und aktuell sich anbahnenden weltweiten Ernteausfällen diskutieren.

Andere tolle Podcasts bei NBL gab es insbesondere mit dem Urgestein Paul Ehrlich (Buch: Polulation Bomb aus den 1970’ern). Wen diese oft amüsanten und beschwingten Interviews interessieren, der clickt hier, hier, hier oder hier. Ich fand Sie informativ und unterhaltsam gleichermaßen.

Klimawandel: Die zwei Lager – Pro & Contra – wer hat recht?

In Bezug auf den Klimawandel gibt es – glaubt man den Medien – zwei Lager‘ – welche ich hier ‘etwas spezieller zusammengefasst’ wiedergebe:

  1. Die einen, die Sagen das der mensch gemachte Anteil am Klimawandel diesen beschleunigt. Wenn nichts gemacht wird, dann bekommen ab 2100, ggf. schon ein paar Jahre vorher, ein paar Leute nasse Füße. Zudem gehen die Vertreter dieser Ansicht davon aus, das wir am kommenden Desaster noch etwas ändern könn(t)en .
  2. und das Lager das meint, das 7,5 Milliarden Menschen, über 1 Milliarde PKW, Milliarden von Nutztieren, Millionen von Fabriken, gigantische Abholzungs-kampangen, Staudämme, Flächenversiegelung und insbesondere das Verbrennen von Millionen von Jahren fossiler ‘Sonnen’-Energie (in Form von Öl, Gas, Kohle) in 200 Jahren keine Auswirkung auf das Klima hat (Aua….).

Weil “1.” so praktisch ist, fordern dann SUV- und Luxus-Klasse fahrende und viel-fliegenden Politiker sowie (selbst ernannte oder durch Medien ‘geyhypte’ oder ‘gegretelte’) Klima-Aktivisten, welche auch dem westlichen Life-Style frönen (und den nicht aufgeben wollen – wie irgendwie keiner), das nun jeweils andere sich irgendwie einschränken & mit Steuern belastet werden müssten.

Das ganze dürfe aber (aus Sicht der Politiker) dem Wachstum und der Industrie nicht weh tun – oder (aus Sicht der sicher meisten Aktivisten) keine totale Spaß-Bremse sein… weil auf einen krassen Verzicht auch irgendwie (inklusive mir!!!) keiner Bock hat. Irgend ein Dipl-Ing. solle dann mal eben was erfinden mit dem wir all “weiter so” machen können – aber bitte mit irgendwie mehr ‘Ponyhof’ für die Umwelt. Auf jeden Fall ist das Thema aus Sicht der (Funktions-) Eliten ein tolles Thema um darunter alles möglich zu verpackenwie auch Dirk Müller ganz o.k. analysiert (wobei ich nicht alle Ansichten teile).

Um eines ganz klar zu stellen: Ich gehöre keiner der beiden ‘vorgenannten Lager’ an – den das sind die ‘Lager’ auf die die Medien und irgendwelche Interessen den Diskurs und den Blick beschränken. Denn beide dieser Gedanken nützen nur einem: Dem Weiter so und dem weg schauen – einmal bewusst (-> 2.) – das andere mal unbewusst (-> 1.).

Insofern tendiere ich zum ‘dritten’ Lager: Dies ist das Lager (oder ein paar wenige Menschen), über das/die keiner schreibt – weil es aus meiner Sicht zu viel in Frage stellt und die Problematik in die zeitliche Lebensrealität von fast allen derzeit existierenden Menschen schiebt... 

Das ‘NTHE’-Lager

Kurz und knapp gehen die NTHE’ler bzw. von folgendem aus:

  • Der beschleunigte Klimawandel (an dem wir Menschen einen großen fundamentalen Anteil haben) wird sich so schnell vollziehen und ist schon so weit fortgeschritten – das Ihn, bzw. seine selbst verstärkende Dynamik, nichts mehr aufhält… und das alles passiert nicht in 100 oder 50 Jahren – nein, das alles ist schon lange in der Mache und die krassen Auswirkungen, die Einfluss auf unser Leben haben werden, sind schon da und werden recht schnell noch viel krasser werden.

Was bedeutet das?

Viele NTHE’ler gehen davon aus, das es bis ca. 2030, spätestens ein paar Jahre danach, ggf. auch viel früher, es solch krasse Klimaveränderungen gibt, die u.a. so viel Missernten und mehr zur Folge haben – das dadurch unser komplettes global-Industrielles System kollabieren wird. Das Verstärkt wird dies alles durch die Probleme in Bezug auf Wirtschaft, Energie, Population, Wasser, Ressourcen und die Verteilungskämpfe die wird schon haben. Insofern ist die Chance in Bezug auf viele Kriege und Konflikte auch sehr groß – die alles noch vorher zum eskalieren bringen können – dann jedoch einen Teil der Ursachen (für die von den Medien Desinformierten) verdecken werden.

Der Wandel kann aber lokal sehr unterschiedlich (schnell) ausfallen – und in Europa mittelfristig auch zu Kälteperioden führen (-> z.B. Abbruch des Golfstroms durch die ‘Klimaerwärmung’). Das natürlich nur – wenn vorher nicht viel schlimmeres passiert (50GT+ Methan Emission, eisfreie Arktis, etc.). Was aus meiner Sicht der Interpretation der Forschung auf uns zu kommt ist also ein starke Häufung der lokalen Klima-Extreme. Das ist jedoch etwas was sehr, sehr schlecht für die Lebensmittelversorgung ist – und bei (gehäuften) Zerstörungen auch die Kapazitäten für den lokalen Wiederaufbau übersteigen kann.

Ach ja: NTHE bedeutet ‘Near Term Human Extiction’ – in Deutsch: ‘In relativer zeitlicher Kürze (10-20 Jahre) werden viele Menschen einen unfreiwilligen Abgang machen’. Was können wir dagegen machen? Aus Sicht der NTHE’ler effektiv nichts mehr… weil der nötige Stop unseres globalen Industriellen Systems würde dann gleich Milliarden von Menschen dahin raffen. Insofern wurschteln wir noch ein paar Jahre weiter – sollten diese ‘geborgte Zeit’ jedoch etwas bewusster leben und lernen unsere Zeit & Energie nicht damit zu verschwenden ‘schuldige’ zu suchen (denn davon haben wir am Ende auch nichts…).

Komplette Spinnerei?

Nein, absolut nicht – wer sich mit dem Daten, Publikationen & Co. beschäftigt – nicht dem was die Presse so schreibt – der weis mehr. Nachfolgend ein guter Überblick von Guy McPherson zu den größten Problemen… wobei er noch andere Präsentationen gegeben hat, die noch viel viel tiefer in das Detail gehen.

Guy McPherson – Facing Functional Extinction

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Wirklich schon so spät?

Meiner Ansicht nach durchaus ja – die Grundzüge hatte ich schon hier beschrieben und letztens noch mal das hier hinzugefügt. Bei der groben Thematik gehe ich klar mit Guy McPherson mit, der gerade in New York eine gute Ansprache zur Thematik gemacht hat – bei welcher ich den Abschluss sehr schön fand – der hat mich wirklich bewegt!

It’s time to tell the full truth. It’s time to pursue hospice, with as much honesty, integrity, and compassion as we can muster. It’s time to admit that ignoring the decades-long warnings about climate change have led directly to the expected outcome. It’s time to comfort the afflicted, which includes each of us.

I am often asked for advice about how to live during these tenuous times. In response, I recommend living fully. I recommend living with intention. I recommend living urgently, with death in mind. I recommend the pursuit of excellence. I recommend the pursuit of love. In light of the short time remaining in your life, and my own, I recommend all of the above, louder than before. More fully than you can imagine. To the limits of this restrictive culture, and beyond. Live like you are dying. The day draws near.

Each of us was born into a set of living arrangements over which we have no control. The scorched-Earth policies we have adopted and implemented during the last two centuries have led to the expected outcome: a scorched Earth.

The time for blame has long passed. The time for shaming others has long passed. No blame, no shame: At the edge of extinction, only love remains. Let’s pursue hospice as one expression of our love.”

Ein für mich wichtiger teil davon in Deutsch:

Als Antwort empfehle ich voll zu leben. Ich empfehle mit Absicht zu leben. Ich empfehle dringend zu leben, um den Tod im Auge zu behalten. Ich empfehle das Streben nach Exzellenz. Ich empfehle das Streben nach Liebe. In Anbetracht der kurzen Zeit, die in Ihrem und meinem Leben verbleibt, empfehle ich all das, lauter als zuvor. Mehr als Sie sich vorstellen können. Bis an die Grenzen dieser restriktiven Kultur und darüber hinaus. Lebe wie du stirbst. Der Tag rückt näher.

Das ganze ist kein Aufruf zum Hedonismus – zum alles hin schmeißen – sondern dazu das was man mit Passion macht in ‘Exzellenz’ zu verfolgen und den oder die, die man liebt zu lieben.

Die ganze Ansprache als Video – nur 5 Minuten

Wer das ganze als Video sehen mag – hier kommts gleich. Die Stühle sind leer und das Pannel vor dem Guy McPherson vorträgt kann uninteressierter nicht sein. So what – Guy trägt es im kleinen Kreis, begleitet von Freunden vor – was will man mehr? Was mehr kann man tun – in einer Gesellschaft die solch einen fundamentalen Zweifel nicht zulassen will oder kann – ohne den eigenen Lebensentwurf in Frage zu stellen?

Guy McPherson – NYC Council Testimony (Declaring A Climate Emergency)

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Abschluss

Ggf. helfen die Worte bzw. Gedanken von Guy einigen auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selber bzw. Ihrer Umwelt. Nutzt auf jeden Fall die verbleibenden Zeit – wie viel das ist war immer ungewiss und ist es auch immer noch. Mit ggf. einem Stückchen mehr Bewusstheit in Bezug auf die generell temporäre Natur unseres und allen Lebens lebt es sich einfacher und leichter – zumindest für mich.

Ob wir morgen noch sind – oder nicht – die Erde und die Evolution laufen bzw. drehen sich weiter. Wir sollten unsere kurze Existenz in diesem Universum und auf diesem Planeten nicht zu wichtig nehmen – was mich immer wieder an Ozymandias von Shelley erinnert:

“Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: „Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.

Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.

Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!‘

Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich, die den Koloß begräbt.“

Die meisten von uns wären dann auch ohne die fossilen Energieträger gar nicht am Leben – so einfach ist das (für mich). Und das was uns das Leben ermöglicht (hat), uns versorgt mit (zweischneidigen) Antibiotika, einer richtig guten Notfall-Medizin, Wärme (Heizung), Dünger, Maschinen die die Felder beernten, bestellen, die Nahrung verarbeiten und zu uns bringen – das hat eben auch Nebenwirkungen. Wenn nun die, die sonst nie gelebt hätten an den Nebenwirkungen dessen sterben was Ihr Leben ermöglicht hat – ‘So what?’ – sollte man sagen/fragen.

Shit happens eben ab und zu.

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